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Review: Stromsaiten und ein Beethovenfest

2018-03-19T20:15:54+00:00

January 31, 2018
Armin Knauer, Reutlinger Generalanzeiger

“Es mag daran liegen, dass Beethoven für den neuen Chefdirigenten einst der Schlüssel zur Klassik schlechthin war. Dass er ihn damals im Jugendzimmer rauf und runter gehört und förmlich eingesogen hat. Jedenfalls ist es jetzt fast so, als würde er am Pult mit Beethoven tanzen. Gar nicht theatralisch oder für den Effekt, sondern nur so für sich. Er tut es ohne Partitur, komplett auswendig, dennoch liegt ihm die nächste Wendung, der nächste Einsatz immer schon wie auf der Zunge. Wie in innerer Vorfreude bereitet er den jeweils nächsten Wimpernschlag im Freudentaumel vor, geleitet seine Musiker hinein, mal mit ganz lockerer, mal mit energischer Geste. Nein, diese Siebte war an diesem Abend nicht einfach so ein Werk, das man eben von den Noten möglichst akkurat in den Klangapparat transportiert. Diese Siebte war einfach ein Fest.”

„Genau diese paradoxe Mischung aus Gelöstheit und rhythmischer Attacke ist es vielleicht, die Haimor besonders liegt.“

„Und mit dem letzten Ton die Bravorufe schallen. Das war ein Beethoven, wie man ihn in Reutlingen nicht alle Tage hört. Und der Dirigent stellt sich fast noch tiefer als sonst in die Reihen der Musiker nach dem Motto: Seht her, wir haben das alles gemeinsam vollbracht. Wohl wahr, so ist es.“